Für Francisca Lira und Vicenta Köster ist der Schüleraustausch etwas ganz besonderes. Die beiden 17-jährigen Chileninnen sind zwei Monate lang fast auf sich allein gestellt. In fernen Ländern, unter fremden Menschen und in einer ganz anderen Kultur.
Über Barcelona, Würzburg, Heidelberg und Frankfurt führte sie ihr Weg nach Hamm. Hier sind sie seit sechs Wochen zu Gast bei Anja Schröder und Kristina Neuenfeld. Ihre gleichaltrigen Gastschwestern haben Francisca und Vicenta vorher nur von Fotos gekannt, die sie per E-Mail geschickt hatten. Heute sind sie Freundinnen. Vicenta schätzt an Deutschland besonders das gute Essen: "Ich liebe es!" Für sie sind typisch deutsche Nahrungsmittel allerdings nicht Sauerkraut und Weißwurst, sondern Fleischsalat, Gummibärchen, Berliner und Schokolade. Francisca ergänzt, dass sie von den Menschen positiv überrascht ist. "Uns wurde immer erzählt, die Deutschen sind sehr kompliziert, verschlossen und kalt, doch das stimmt gar nicht." Im Gegenteil: "Die Menschen sind total frei, sympathisch und immer nett zu uns."
Außerdem hatten die beiden 17-Jährigen vor ihrem Auslandsaufenthalt Angst, ob sie es wirklich schaffen, jeden Tag deutsch zu reden, und ob sie verstanden werden. Aber das hat sich schnell gelegt. Heute können sie sagen: "Wir konnten viele neue Erfahrungen sammeln und durften ein wunderschönes Land kennen lernen. "Neben der Stadt, Partys, Shoppen, Kino, Schule und Schlitten fahren hat sie der Karneval besonders beeindruckt. "Erst sind die Menschen ernst und dann ist Karneval und alle strahlen, sind fröhlich und umarmen sich. Was für ein Gegensatz!", schildert Francisca. Ein ähnliches Bild haben sie auf Feten gewonnen: "Auf Partys am Wochenende sind alle deine Freunde und dann gehst du am Montag in die Schule und alles ist anders. Die müssen Alkohol trinken, um sympathisch zu sein. Das kann doch nicht sein!"
Positiv aufgefallen sind Francisca und Vicenta die deutsche Ordnung und Sauberkeit, eine viel gesündere Ernährung und die Lebenshaltungskosten, die hier in Deutschland drei Mal so hoch seien, wie in ihrer Heimat. In Chile besuchen Francisca und Vicenta eine deutsche, katholische Privatschule. Dort, so berichten die Mädchen, sei die Bildung viel besser als in anderen Schulen. "Wir möchten lernen und eine gute Zukunft haben", sagen sie. "Meine Großeltern kommen aus Deutschland und mein Papa wollte, dass seine Kinder auch Deutsch können.", erzählt Vicenta. In den vergangenen sechs Wochen haben die Mädchen das Freiherr vom Stein Gymnasium besucht. Ihre Erkenntnis: "Wir haben in Chile eine ganz andere Beziehung zu unseren Lehrern. Sie sind wie Freunde. Man redet mit ihnen über Probleme und nicht die Leistung, die man bringt, sondern ob man ein guter Mensch ist, ist entscheidend." Heimweh haben die zwei kaum, denn via Internet halten sie Kontakt mit ihren Familien. Außerdem wollen sie lernen selbstständiger zu sein. Offenbar mit Erfolg, denn Francisca sagt: "Jetzt sind wir ein Stück weit größer."
Bevor es Samstag weiter nach Paris geht, will Vicenta noch einen kleinen Hammer Elefanten als Andenken kaufen. Im Sommer werden dann die Rollen getauscht. Dann heißt es für Kristina Neuenfeld sechs Wochen nur Spanisch sprechen. Für Anja Schröder geht es erst nach dem Abi nach Chile. Aber bis dahin wollen die vier in Kontakt bleiben.